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Menschen

"Nicht gegen die Angst, sondern mit ihr."

PRENZLAUER BERG. Das Pankower Panorama möchte an dieser Stelle interessante Persönlichkeiten aus unserem Bezirk und ihre Tätigkeiten vorstellen. Wir beginnen heute mit Lennart Normann. Mit dem Hypnosetherapeuten sprach Uwe Lemm.

07.10.2026·Redaktion
Lennart Normann ist Hypnose-Therapeut und unser heutiger Gesprächspartner. Foto: privat

Pankower Panorama (P): Welche psychischen Probleme werden vorrangig mit dieser Therapieform behandelt?

Lennart Normann (L.N.): Zu meinen Schwerpunkten gehören vor allem Angst- und Panikstörungen, depressives Erleben sowie chronische Schmerzen. Die Liste der restlichen Anwendungsgebiete ist lang. So wird Hypnose z. B auch zur Persönlichkeitsentwicklung, der Traumatherapie, bei Zwangserkrankungen, zur Gewichtsreduktion, der Raucherentwöhnung, zur Stressreduktion oder auch zur Leistungssteigerung eingesetzt.

P: Sie sagen, dass Sie sich als Therapeut u. a. der Angst Ihrer Patientinnen und Patienten annehmen. Was ist das eigentlich: die Angst? Und habe wir die nicht alle?

L.N.: Natürlich haben wir alle Angst. Und das ist auch gut so. Angst ist zunächst einmal ein Schutzmechanismus. Sie warnt uns vor Gefahren und sorgt dafür, dass unser Körper schnell reagieren kann. Schwierig wird es, wenn die Angst anfängt, unser Leben zu bestimmen. Wenn man bestimmte Orte nicht mehr aufsucht, Situationen vermeidet, oder ständig das Gefühl hat, dass etwas passieren könnte obwohl keine konkrete Gefahr besteht.
Was mich an Angst besonders interessiert: Sie ist selten einfach nur „sinnlos“. Nahezu immer versucht sie, uns vor etwas zu beschützen. Manchmal hat das früher sogar sehr gut funktioniert. Nur kann es passieren, dass dieses "Alarmsystem" irgendwann empfindlicher geworden ist und noch anspringt, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist.

Dann hilft es meiner Erfahrung nach wenig, sich einfach zu sagen: „Hab keine Angst.“oder "da ist doch gar nichts." Das wissen die meisten Betroffenen selbst. Viel wichtiger ist die Frage: Was steckt hinter dieser Angst? Wovor möchte sie mich schützen? Und warum ist mein System heute noch davon überzeugt, dass es das tun muss? Genau dort beginnt für mich die therapeutische Arbeit. Nicht gegen die Angst, sondern mit ihr.

P: Herr Normann, ich habe von Ihrer medizinischen Vorgeschichte gelesen. Sie kommen aus der Psychiatrie und der Intensivmedizin: Wie haben Sie von diesem Ausgangspunkt zu Ihrem Therapieansatz gefunden?

L.N.: Nach meinem Examen als Gesundheits- und Krankenpfleger und meinem Umzug nach Berlin habe ich zunächst rund zehn Jahre auf verschiedenen Intensivstationen gearbeitet. Durch meine Tätigkeit als Leasingkraft habe ich dabei viele unterschiedliche Kliniken und Fachbereiche kennengelernt – von allgemeinen Intensivstationen bis hin zu spezialisierten Bereichen wie der Neurointensiv- und der Verbrennungsmedizin.
Diese Zeit hat meinen Blick auf Menschen und ihre unterschiedlichen Formen von Belastung stark geprägt. Man erlebt nicht nur Krankheit, sondern auch Angst, Kontrollverlust, Schmerz und existenzielle Ausnahmesituationen – bei den Patientinnen und Patienten ebenso wie bei ihren Angehörigen.
Später führte mich mein Weg für fünf Jahre in die Psychiatrie. Auch dort war ich in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig: auf offenen und geschützten Stationen, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in Tageskliniken und Spezialambulanzen. Dabei habe ich Menschen mit sehr unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und Belastungen begleitet – unter anderem im Bereich der Sucht, bei affektiven Erkrankungen und Psychosen.
Auch die Schnittstellen außerhalb der klassischen stationären Behandlung habe ich kennengelernt.
Durch diese vielen unterschiedlichen Einblicke ist in mir im Laufe der Jahre zunehmend der Wunsch entstanden, Menschen selbst psychotherapeutisch zu begleiten.
Dabei wurde mir auch immer wichtiger, Menschen möglichst früh zu erreichen – möglichst bevor Belastungen so groß werden, dass eine stationäre Behandlung notwendig wird.
Neben der Heilerlaubnis auf dem Gebiet der Psychotherapie. folgten meine Ausbildungen in Hypnose und später in weiteren Methoden wie der Ego-State-Therapie, sowie Fortbildungen zu den Schwerpunkten Schmerz und Angst.
Und ich liebe, was ich tue. Nicht, weil ich glaube, für andere Lösungen zu haben –sondern weil ich immer wieder erleben darf was möglich wird, wenn Menschen beginnen, sich selbst zu verstehen.

P: Noch eine abschließende Frage: Übernehmen die Krankenkassen die Behandlung z. B. Ihrer AngstpatientInnen durch Sie? Wenn ja, worauf müsse sie dann achten?

L.N.: Hypnotherapie wurde In Deutschland bereits 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie für bestimmte Anwendungsbereiche anerkannt, wird in der Regel jedoch leider nicht von den Krankenkassen übernommen. In manchen Fällen können aber evtl. Zusatzversicherungen greifen.

P: Wir danken Ihnen für das Gespräch.



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