"Nicht gegen die Angst, sondern mit ihr."
PRENZLAUER BERG. Das Pankower Panorama möchte an dieser Stelle interessante Persönlichkeiten aus unserem Bezirk und ihre Tätigkeiten vorstellen. Wir beginnen heute mit Lennart Normann. Mit dem Hypnosetherapeuten sprach Uwe Lemm.

Pankower
Panorama (P):
Welche psychischen Probleme werden vorrangig mit dieser Therapieform
behandelt?
Lennart
Normann (L.N.): Zu
meinen Schwerpunkten gehören vor allem Angst- und Panikstörungen,
depressives Erleben sowie chronische Schmerzen. Die Liste der
restlichen Anwendungsgebiete ist lang. So wird Hypnose z. B auch
zur Persönlichkeitsentwicklung, der Traumatherapie, bei
Zwangserkrankungen, zur Gewichtsreduktion, der Raucherentwöhnung,
zur Stressreduktion oder auch zur Leistungssteigerung eingesetzt.
P:
Sie
sagen, dass Sie sich als Therapeut u. a. der Angst Ihrer Patientinnen
und Patienten annehmen. Was ist das eigentlich: die Angst? Und habe
wir die nicht alle?
L.N.:
Natürlich
haben wir alle Angst. Und das ist auch gut so. Angst ist zunächst
einmal ein Schutzmechanismus. Sie warnt uns vor Gefahren und sorgt
dafür, dass unser Körper schnell reagieren kann. Schwierig wird es,
wenn die Angst anfängt, unser Leben zu bestimmen. Wenn man bestimmte
Orte nicht mehr aufsucht, Situationen vermeidet, oder ständig das
Gefühl hat, dass etwas passieren könnte obwohl keine konkrete
Gefahr besteht.
Was mich an Angst besonders interessiert: Sie
ist selten einfach nur „sinnlos“. Nahezu immer versucht sie, uns
vor etwas zu beschützen. Manchmal hat das früher sogar sehr gut
funktioniert. Nur kann es passieren, dass dieses "Alarmsystem"
irgendwann empfindlicher geworden ist und noch anspringt, obwohl die
ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist.
Dann
hilft es meiner Erfahrung nach wenig, sich einfach zu sagen: „Hab
keine Angst.“oder "da ist doch gar nichts." Das wissen
die meisten Betroffenen selbst. Viel wichtiger ist die Frage: Was
steckt hinter dieser Angst? Wovor möchte sie mich schützen? Und
warum ist mein System heute noch davon überzeugt, dass es das tun
muss? Genau dort beginnt für mich die therapeutische Arbeit. Nicht
gegen die Angst, sondern mit ihr.
P:
Herr
Normann, ich habe von Ihrer medizinischen Vorgeschichte gelesen. Sie
kommen aus der Psychiatrie und der Intensivmedizin: Wie haben Sie von
diesem Ausgangspunkt zu Ihrem Therapieansatz gefunden?
L.N.:
Nach
meinem Examen als Gesundheits- und Krankenpfleger und meinem Umzug
nach Berlin habe ich zunächst rund zehn Jahre auf verschiedenen
Intensivstationen gearbeitet. Durch meine Tätigkeit als Leasingkraft
habe ich dabei viele unterschiedliche Kliniken und Fachbereiche
kennengelernt – von allgemeinen Intensivstationen bis hin zu
spezialisierten Bereichen wie der Neurointensiv- und der
Verbrennungsmedizin.
Diese Zeit hat meinen Blick auf Menschen
und ihre unterschiedlichen Formen von Belastung stark geprägt. Man
erlebt nicht nur Krankheit, sondern auch Angst, Kontrollverlust,
Schmerz und existenzielle Ausnahmesituationen – bei den
Patientinnen und Patienten ebenso wie bei ihren Angehörigen.
Später
führte mich mein Weg für fünf Jahre in die Psychiatrie. Auch dort
war ich in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig: auf offenen und
geschützten Stationen, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in
Tageskliniken und Spezialambulanzen. Dabei habe ich Menschen mit sehr
unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und Belastungen begleitet
– unter anderem im Bereich der Sucht, bei affektiven Erkrankungen
und Psychosen.
Auch die Schnittstellen außerhalb der
klassischen stationären Behandlung habe ich kennengelernt.
Durch
diese vielen unterschiedlichen Einblicke ist in mir im Laufe der
Jahre zunehmend der Wunsch entstanden, Menschen selbst
psychotherapeutisch zu begleiten.
Dabei wurde mir auch immer
wichtiger, Menschen möglichst früh zu erreichen – möglichst
bevor Belastungen so groß werden, dass eine stationäre Behandlung
notwendig wird.
Neben der Heilerlaubnis auf dem Gebiet der
Psychotherapie. folgten meine Ausbildungen in Hypnose und später in
weiteren Methoden wie der Ego-State-Therapie, sowie Fortbildungen zu
den Schwerpunkten Schmerz und Angst.
Und
ich liebe, was ich tue. Nicht, weil ich glaube, für andere Lösungen
zu haben –sondern weil ich immer wieder erleben darf was möglich
wird, wenn Menschen beginnen, sich selbst zu verstehen.
P:
Noch
eine abschließende Frage: Übernehmen die Krankenkassen die
Behandlung z. B. Ihrer AngstpatientInnen durch Sie? Wenn ja, worauf
müsse sie dann achten?
L.N.:
Hypnotherapie
wurde In Deutschland bereits 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat
Psychotherapie für bestimmte Anwendungsbereiche anerkannt, wird in
der Regel jedoch leider nicht von den Krankenkassen übernommen. In
manchen Fällen können aber evtl. Zusatzversicherungen greifen.
P:
Wir
danken Ihnen für das Gespräch.
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