Potsdam statt Neuruppin
Dass die Deutsche Bahn für Reisende viele unterschiedliche Überraschungen bereit hält, ist inzwischen leider legendär. Das Schöne am Deutschland-Ticket ist daher u. a., dass man dagegen besser als zuvor gewappnet ist – sofern man seine Reisepläne…
Dass die Deutsche Bahn für Reisende viele unterschiedliche Überraschungen bereit hält, ist inzwischen leider legendär. Das Schöne am Deutschland-Ticket ist daher u. a., dass man dagegen besser als zuvor gewappnet ist – sofern man seine Reisepläne und ‑routen kurzfristig variieren kann.
Mein Beispiel zeigt vielleicht, worauf man sich einlassen könnte, wenn man ein solches Ticket erworben hat: Vorgesehen war ein Besuch in der Geburtsstadt von Karl Friedrich Schinkel, dem bedeutendsten preußischen Baumeister des 18. und 19. Jahrhunderts; des preußischen Schriftstellers Theodor Fontane und jener bis heute faszinierenden Vorläufer illustrierter Zeitungen, die als „Neuruppiner Bilderbogen“ zwischen 1810 und 1937 mit über 20.000 Bild-Erzählungen zu unterschiedlichsten Themen brillierten und dadurch Weltruhm erlangten.
Doch die Deutsche Bahn parierte diese Planungen mit Zugausfällen und Schienenersatzverkehr (SEV), wovon Reisende auf dem Bahnhof Hennigsdorf bei Berlin aber eher zufällig erfuhren. Aushänge zum Thema gab es nicht, Anzeigen auf der – wie von Kennern der Szene zu hören war – just neu installierten elektronischen Hinweistafel ebenso wenig und Lautsprecheransagen schon gar nicht. Wo der SEV zu finden sei und wann ein entsprechender Bus in die gewünschte Richtung fahren würde, blieb für längere Zeit ebenfalls ein Geheimnis. Als es gelüftet werden konnte, war der gewünschte Bus natürlich schon entschwunden und der nächste in weite zeitliche Ferne gerückt.
Gut, dass der Reisewillige das 49-EUR-Ticket nutzen konnte und auch bereit war, seine ursprünglichen Reisepläne anhand der Gegebenheiten neu zu disponieren. Weiter nach Potsdam!